5. – 6. Schuljahr

Gudrun Neebe | Uwe Schäfer

„Ich sehe was, das du nicht siehst!

Die verschiedenen Dimensionen von Wahrheit altersgemäß aufgreifen

Thematischer Schwerpunkt
Stellen Zehnjährige die Frage nach der Wahrheit oder haben sie sich daran gewöhnt, dass ganz Unterschiedliches behauptet und vertreten wird? Das „mir doch egal wird vielfach auch ihren Alltag bestimmen. Dennoch fragen Schülerinnen und Schüler danach, ob Geschichten (insbesondere im Religionsunterricht), die ihnen präsentiert werden, wirklich so passiert sind. Wenn im Religionsunterricht die Welt aus einer besonderen, nämlich der religiösen, Perspektive betrachtet wird, dann ist nicht nur die Unterscheidungsfähigkeit zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Kommunikationsformen eine zentrale Lerndimension, sondern auch die Auseinandersetzung mit (der fremden Welt) der Bibel, die die Wirklichkeit Gottes aufscheinen lässt. In dieser Unterrichtseinheit wird daher auch angestrebt, biblische und andere Geschichten als (symbolische) Hoffnungserzählungen und nicht als Sachverhaltsaussagen zu verstehen. Eine Schwierigkeit wird dabei sein, die vorherrschenden Rationalitätsmuster zu überschreiten.
Lernsituation
Schüler urteilen oft und schnell nach den Kategorien wahr und falsch, Lüge und Wahrheit. Manche sind noch ungeübt darin, andere Perspektiven einzunehmen oder mit anderen Augen zu sehen, ungeübt auch darin, eine weitere, tiefere Dimension wahrzunehmen und gelten zu lassen. Schnell wollen sie wissen, ob etwas in echt bzw. wirklich so gewesen ist, wie es dargestellt wurde. Dabei ist das Sehen ein wichtiges Beweismittel. Die Unterrichtseinheit muss zeigen, ob sich der Blick, die Wahrnehmung, weiten und das Sehen durch das Deuten und Schlussfolgern ergänzen lässt.
Lernimpuls
Die Schüler kennen das Spiel „Ich sehe was, das du nicht siehst. Spielerisch sollen sie sich daher der Thematik zunächst nähern und dabei feststellen, dass Mitschüler Dinge sehen, die sie selbst nicht oder erst nach und nach entdecken. So kann durch eine Wahrnehmungsübung deutlich werden, dass es sich nicht in jeder Hinsicht so verhält, wie Dinge gesehen oder auch nicht gesehen werden. Sie können also nicht alles so „für wahr nehmen, wie sie es wahrnehmen oder auch nicht wahrnehmen. Ähnlich verhält es sich auch mit religiöser Tradition und biblischen Texten. Auslegung bedeutet eben nicht nur subjektive Wahrnehmung, sondern impliziert auch Gewissheitsansprüche.
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt
Lernexperimente, Wahrnehmungsübungen
Um eine eingeschränkte Sichtweise zu vermeiden, muss i.d.R. der erste Blick durch einen zweiten Blick oder durch eine andere Perspektive ergänzt werden. Das soll durch diesen Unterrichtsschritt zum Ausdruck kommen. Dazu bearbeiten die Schülerinnen und Schüler in AGs je zwei Bilder (Die entsprechenden Bildkarten finden sich im Downloadbereich: Mehrfachbilder, die Gläser von Piaget, die Ebbinghauskugeln, das Nashorn und andere; unter http://www.illusionen.biz gibt es vielfältiges weiteres Bildmaterial). Lehrkräfte oder Mitschüler geben eventuell Hilfestellungen, wenn Schüler zu einseitig die Bilder wahrnehmen. Dadurch entdecken die Schüler, wie sehr es auf Perspektivenwechsel ankommt
Geeignete Bearbeitungsimpulse:
  • Was siehst du auf den ersten Blick?
  • Entdeckst du noch mehr?
  • Was sehen deine Mitschüler?
  • Was denkst/glaubst du darüber?
  • Schummelt hier jemand?
  • Was ist richtig, was ist falsch?
  • Wer hat Recht?
Aufgabenvorschlag zur Präsentation: Stellt das Bild eurer Klasse vor und berichtet von den Gesprächen in eurer Gruppe bei der Bildbetrachtung. Formuliert einen Ergebnissatz, den ihr dann vortragt.
In dieser Plenumsphase lernen die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig Perspektivenwechsel sind.
2. Unterrichtsschritt
Nikolaus und Christkind, Legende und doch Wahrheit
Sind Nikolaus und Christkind historische Personen oder Fiktionen von Erwachsenen, die Kindern eine Freude machen wollen? Lässt sich das einfach und auf die Schnelle...

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