7. – 8. Schuljahr

Anke Kaloudis | Gerhard Ziener

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Individuelle Bilder von der Welt mit biblischen Weltbildern ins Gespräch bringen

Thematischer Schwerpunkt
Der thematische Schwerpunkt der Unterrichtseinheit liegt auf der Frage nach der Konstruktion von Weltbildern im Sinne von vermeintlich konsistenten Sichtweisen auf Wirklichkeit und den ihnen inhärenten Konsequenzen ethischer Weltgestaltung. Soll heißen: Jugendlichen dürfte kaum bewusst sein, dass sie Weltbilder (Vorstellungen von Welt und Wirklichkeit) selbst generieren: Sie sind, wie alle Menschen, zunächst der Meinung, sie sehen die Welt, „wie sie eben ist. Weltbilder in dem hier verwendeten Wortsinn sind Spiegelbilder individueller Wirklichkeits- und Wahrheitsverständnisse und werden je individuell modelliert auch und gerade dann, wenn dieser Zusammenhang den jeweiligen Personen gar nicht bewusst ist.
In den erkenntnistheoretischen Überlegungen des Konstruktivismus wurde u.a. der Gedanke stark gemacht, dass Wirklichkeit oder Wahrheit „an sich gar nicht erkannt werden kann. Was Menschen für „die Wirklichkeit oder „die Wahrheit halten, ist das Ergebnis je individueller Konstruktionsprozesse, in denen sich Weltwahrnehmung vollzieht. Überspitzt könnte man sagen: Wie die Welt „an sich ist, kann nicht gesagt werden. Die Welt existiert nur im eigenen Kopf bzw. die Welt zeigt sich einem nur so, wie man sie anschaut. Unmittelbar gekoppelt ist mit dieser Perspektive auf Welt und Wahrheit die Frage, ob dann alle Sichtweisen auf die Welt gleiche Gültigkeit beanspruchen können und damit einem Relativismus Tür und Tor geöffnet ist. Wenn alles gleich gültig ist: Was gilt dann?
Das Ziel dieser Unterrichtseinheit ist deshalb:
  • sich selbst und andere zu beobachten und beim Konstruieren vom eigenen Weltbild zu verstehen (s.o.),
  • solche eigenen Konstrukte zu vergleichen mit biblisch-christlichen Weltbildern und
  • sich daraus ergebende ethische Konsequenzen zu reflektieren.
Kann ich mir die Welt so „machen, wie sie mir gefällt? Oder: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!? Die im Begriff des „Machens mitschwingende Doppeldeutigkeit zwischen individuellen Sichtweisen von der Welt einerseits und ethischem Relativismus andererseits ist in der Unterrichtseinheit bewusst intendiert und wird mit Hilfe des Liedes „Schöne neue Welt der Band Culcha Candela und biblisch-prophetischer Tradition (Jesaja und Jeremia) bearbeitet. Dabei regt der Lernweg durchgängig dazu an, die visuelle Ebene der Bearbeitung in den Lernprozess mit einzubeziehen.
Culcha Candela: Schöne neue Welt
Culcha Candela: Schöne neue Welt
Culcha Candela ist eine im Jahr 2002 gegründete multi-ethnische Band, die für Jugendliche eine große Attraktivität besitzt. Ihre in unterschiedlichen Sprachen gesungenen Lieder sind einerseits gesellschaftskritisch, andererseits unterhaltsam.
Das Lied „Schöne neue Welt stammt aus dem Jahr 2009 und war mehrere Wochen auf den besten Chartsplätzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die schöne, neue Welt des Liedes ist alles andere als schön: Umweltzerstörung, Egoismus, Habgier, Schönheitswahn. Die Welt steht auf dem Kopf, doch die Menschen interessiert es nicht. „Die Welt geht unter, doch bei uns ist Party.
Das Lied provoziert und fordert heraus: Darf der Mensch sich die Welt so machen, wie sie ihm gefällt?
Quelle: http://culchacandela.de/ abgerufen am 28.03.2019
Lernsituation
Jugendliche der Jahrgangstufe 7 und 8 sind dabei, ihre Sichtweisen auf die Welt umzubauen und umzudeuten. Sie befinden sich im Umbruch vom Kindes- zum Erwachsenenalter und loten ihr Weltbild im oben beschriebenen Sinn neu aus. Was gilt? Was zählt? Worauf kann ich mich verlassen? Sie ahnen die „Brüchigkeit kindlicher Weltbilder und entwickeln ein Gespür dafür, dass sie selbsttätig über die Welt nachdenken können. Dabei suchen sie nach Orientierung und testen die Wirklichkeit auf das ab, was tragfähig erscheint.
Die Unterrichtseinheit...

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