5. – 6. Schuljahr

Peter Kristen

Wie kommt der Hahn auf den Kirchturm?

Christ sein wie Simon Petrus

Thematischer Schwerpunkt
Simon Petrus ist eine wichtige Identifikationsfigur für die frühe Christenheit. Im Markusevangelium begegnet er uns in 15 Episoden, gleich am Anfang und prominent am Ende der Jüngergeschichte (1,16; 16,7). Inhaltlich im Zentrum und räumlich in der Mitte steht sein „Christusbekenntnis (Mk 8,29). Er ist eine Art paradigmatischer Nachfolger Jesu.
Exegetische Entscheidungen
Am Markusevangelium entlang beleuchtet der Unterrichtsentwurf ausgewählte Episoden aus Simons Geschichte mit Jesus, seine spontane Nachfolge, sein Miterleben der Wunderkraft Jesu, sein mutiges Bekenntnis zu ihm als Christus, aber auch sein Unvermögen, sich in Gefahr zu ihm zu bekennen, und seine Chance auf einen Neuanfang nach Jesu Tod. Die Entscheidung, dem Evangelium zu folgen, wie Markus es (sehr bewusst und gut strukturiert) erzählt, ist zunächst eine pädagogische Reduktion. Sie steht zugleich exegetisch in bewusstem Gegensatz zu einer Art Petrussammelsurium (ähnlich einer Evangelienharmonie). So gerät allerdings möglicherweise Bekanntes nicht in den Blick, das für manche (nicht aber für Markus) selbstverständlich mit der Person des Simon verbunden sein könnte:
bei Matthäus u.a. die Geschichte vom „sinkenden Petrus, der, wie Jesus selbst, ein Stückchen auf dem See laufen kann, und die in der Geschichte der Kirche bedeutsame Seligpreisung, nach der Jesus auf dem „Felsen Petrus (Sohn des Jona) seine Kirche bauen und ihm die Schlüssel des Himmelreichs geben wird (Mt 16,17-19). Unberücksichtigt bleibt so der „Petrusteil der Apostelgeschichte des Lukas und der johanneische Petrus, der bei der Verhaftung Jesu mit seinem Schwert dem Malchus ein Ohr abschlägt (Joh 18,10-11), und sein Wettlauf mit einem anderen Jünger zum Grab Jesu (Joh 20,1-8), der Simon (anders als bei Mk) zum ersten Zeugen der Auferstehung macht, wie es auch Paulus in 1. Kor 15, 3b-5 zitiert (dort „Kephas).
Unberücksichtigt bleiben die Notizen in den Paulusbriefen, nach denen Petrus zeitweise auf seinen Reisen von seiner Ehefrau begleitet wurde (1. Kor 9,5), und die Petrusbriefe, das Petrusevangelium oder die „Petrusakten.
Die Schülerinnen und Schüler lernen die Geschichte des Simon Petrus konsequent (in der Übersetzung der BasisBibel) so kennen, wie sie der Evangelist Markus erzählt, und erwerben dabei grundlegende erzählerisch-exegetische Kompetenzen, an die später (im Sinne eines auch wissenschaftsbasierten Religionsunterrichts) angeknüpft werden kann, wenn es darum geht, sich auch mit einander widersprechenden biblischen Zeugnissen zu beschäftigen.
Neben dem Evangelium des Markus beleuchtet die Unterrichtseinheit durchgehend zwei weitere Perspektiven: die des Andreas und die der Schülerinnen und Schüler selbst. Sie lädt so zum Perspektivenwechsel und zur doppelten Perspektivenübernahme ein.
Simon Petrus ist im Markusevangelium der paradigmatische Jünger. Er folgt Jesus nach, bekennt sich zu ihm als Christus, verleugnet ihn in Gefahr und wird „besonders in den Neubeginn der Auferstehung eingeschlossen. Der Wetterhahn auf manchen Kirchen erinnert Christinnen und Christen daran, selbst Nachfolgende zu werden oder zu bleiben, statt sich (opportunistisch) mit dem Wind zu drehen.
Anforderungssituation
Die Zahl der Menschen, die sich als Christinnen und Christen verstehen und ihr Christsein auch zeigen, nimmt ab. Was Christsein bedeuten kann, ist unsicher geworden. Gerade Schülerinnen und Schüler in der 5. oder 6. Klasse sind stark darauf ausgerichtet, Freund bzw. Freundin zu sein, dazuzugehören, sich als verlässlich zu zeigen auch in Zugehörigkeitssituationen (z.B. als Fan eines aktuell wenig erfolgreichen Sportvereins oder in einer Gruppe in sozialen Netzwerken), und haben dabei Zweifel und Angst zu scheitern. In der...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen