9. – 10. Schuljahr

Christina Bartsch

Was glauben andere, was glaube ich?

Wie in Glaubensbekenntnissen Christsein gezeigt wird

Thematischer Schwerpunkt
Was glauben Christinnen und Christen eigentlich? Das Apostolische Glaubensbekenntnis, in dem die Kerninhalte des Christentums formuliert sind, gehört nach dem Vaterunser und den Zehn Geboten wohl zu den bekanntesten Texten des Christentums. Und doch ist es wie auch andere altkirchliche Bekenntnistexte nicht unumstritten, verstehen doch viele die Worte nicht mehr oder wünschen sich eine zeitgemäße Sprache.
Glaubensbekenntnisse sind zeitbedingt, da sie den Glauben ihrer jeweiligen Kultur und Zeit ausdrücken. Ebenso sind sie zeitlos, da sie Worte, Bilder und Motive enthalten (z.B. Gott als Schöpfer, Jesus als der Christus, der Mensch in seinem Verhältnis zu Gott und Welt, die Kirche als Gemeinschaft der Christen), die stets als Inhalte des christlichen Glaubens gelten.
Bekenntnistexte bewegen sich zwischen Individualität und Gemeinschaft. Sie sind einerseits Ausdruck des eigenen Glaubens, worauf auch der Ursprung des Wortes „Credo (lat. credo „ich glaube) hinweist. Andererseits sind sie die Sprache einer Gemeinschaft, was sich darin zeigt, dass sie etwa im Gottesdienst von der versammelten Gemeinde zusammen gesprochen werden. Dieser individuelle und zugleich gemeinschaftliche Charakter der Bekenntnisse kann es dem Einzelnen ermöglichen, sich die „Sprache der anderen zu leihen (Fulbert Steffensky), wenn einem eigene Worte fehlen und man sich einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlt.1
Wenn Glaubensbekenntnisse2 zum Lerngegenstand im Religionsunterricht einer öffentlichen Schule werden, so ist festzustellen, dass Schülerinnen und Schüler die Glaubensinhalte der christlichen Religion, die darin zur Sprache kommen, durchaus kennen und wahrnehmen können (lat. notitia „Kenntnis, Bekanntsein). Und sie können zudem reflektieren, inwieweit sie ihnen zustimmen, sie für wahr halten (lat. assensus „Zustimmung, Echo). Der Glaube an sich, das individuelle Gottesvertrauen (lat. fiducia „Vertrauen), ist jedoch unverfügbar und lässt sich nicht durch Lehren und Üben bewirken. Im Religionsunterricht können durch die Vermittlung von Inhalten und Ausdrucksformen der christlichen Religion lediglich Zugänge zum Verstehen des Glaubens angeregt werden.3
Dies geschieht in dieser Unterrichtsreihe durch die Analyse und vergleichende Betrachtung von Bekenntnissen aus verschiedenen Zeiten. Zu diesen gehört das Apostolische Glaubensbekenntnis, das seine Ursprünge im frühen Christentum hat und bis heute in christlichen Kirchen verwendet wird (siehe Kasten).4 Zudem zeigen ein Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer und eines von Dorothee Sölle sowie Bekenntnisse von Jugendlichen, wie diese angesichts ihrer jeweiligen Lebenssituationen und Erfahrungen, christliche Inhalte neu formulierten.
Infokasten: Credo
Infokasten: Credo
Ein Credo (lat. „ich glaube) fasst die wichtigsten Glaubensinhalte zusammen. Für die abendländischen christlichen Kirchen ist das Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolikum) das maßgebliche Credo geworden. Die Bezeichnung als „Bekenntnis der Apostel gibt es seit dem 4. Jahrhundert und beruht auf einer Legende, nach der jeder der zwölf Apostel einen Teil zum Bekenntnis beigetragen habe. Diese Legende ist historisch nicht haltbar. Nachgewiesen ist, dass das Apostolikum über etwa 400 Jahre aus verschiedenen Bekenntnissen zusammengewachsen ist. Zu diesen Bekenntnissen gehörten vor allem Elemente aus der Taufliturgie. Aus den Antworten auf die Fragen des Taufenden entwickelten sich Bekenntnissätze, die von den ungetauften Erwachsenen in der frühchristlichen Gemeinde, gesprochen wurden. In der heutigen Form liegt das Apostolikum erstmals im 8. Jahrhundert vor und wurde unter Karl dem Großen zum offiziellen Bekenntnis des Frankenreiches. Bis heute ist es ein Bestandteil in römisch-katholischen und protestantischen Gottesdiensten.
Als das „Große Glaubensbekenntnis,...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen