5. – 10. Schuljahr

Christoph Bauer

Politische Positionen in der Schule: unbedingt!

Haltung zu zeigen ist für alle am Unterricht Beteiligten persönlich und inhaltlich geboten. Aus einer Meinung und einem Vor-Urteil ein fundiertes und reflektiertes Urteil zu machen, ist eines der obersten Ziele jeglicher demokratischer Bildung. Indoktrination und Missionierung sind damit nicht vereinbar. Doch dient es der am Diskurs ausgerichteten Bildung, sein Sein zu zeigen anstatt eine kritisierbare Position zu artikulieren?

Welch spannende Anfrage! Ob ich als leidenschaftlicher politischer Bildner in der Oberstufe einen Beitrag in einer Zeitschrift für Religion in der Schule verfassen könnte. Viele Erfahrungen blitzen auf: Habe ich den Schüler mit einem T-Shirt der „Identitären Bewegung pädagogisch angemessen angesprochen? Habe ich mich als Lehrkraft im Unterricht gegen Rechtsradikale oder Rechtspopulisten angemessen geäußert? Die Schnittmenge zweier so unterschiedlicher Disziplinen (Sozialwissenschaften und Religion) scheint vielversprechend: „Positionalität. Die schulische politische Bildung streitet seit Jahrzehnten um ein ähnlich gelagertes Thema, um „politische Aktion (vgl. Giesecke 1971, Nonnenmacher/Widmaier 2011), um „Indoktrination und um „Neutralität. Die wohl prominentesten Beispiele für diese Debatten sind der „Beutelsbacher Konsens von 1976 (Überwältigungsverbot e.a.) und die AfD-Aktionen zur „neutralen Schule.
„Soll ich mein Christsein zeigen? ist für die politische Bildung in der Schule schwer zu übersetzen. Vielleicht in „Soll ich meine politische Überzeugung zeigen? Diskutiert wird diese Frage für die schulische politische Bildung meist für die unterrichtenden Lehrkräfte. Inwiefern Schülerinnen und Schüler sich zu einer Haltung „bekennen dürfen/können/sollen, ist da-gegen wenig besprochen worden.
Lehrerinnen und Lehrer: bitte politisch!
Es ist nicht nur zulässig, sich als Lehrerin oder Lehrer politisch zu positionieren, es kann je nach Kontext auch geboten sein. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Lehrer und Lehrerinnen haben wie alle Menschen Haltungen und Überzeugungen. Sie verschwinden nicht durchs Verschweigen, sie können dadurch im Gegenteil „gefährlicher, vor allem wirkmächtiger werden, wenn sie verschleiert werden. Als Haltung bahnen sie sich ohnehin ihren Weg quasi durch alle Poren und Schülerinnen und Schüler haben ein feines Sensorium, mit dem sie Haltungen wahrnehmen. Haltungen klar zu artikulieren und damit einer Kritik, einer Reflexion, einem unterrichtlichen Diskurs überhaupt erst zugänglich zu machen, könnte vielmehr als kritisch-emanzipatorischer Akt im Sinne der Schülerinnen und Schüler betrachtet werden. Politische Bildung als fächerübergreifendes Prinzip betont darüber hinaus, dass es überhaupt keine „neutrale Bildung geben kann es gibt auch keine gesellschaftspolitischen „neutralen Bereiche; auch bzw. schon gar nicht die Naturwissenschaften, vgl. Atomphysik, Genmanipulation, Umweltschutz u.v.a.m. Weiterhin ein zweiter Grund ist Demokratie kein formales, sondern ein ziemlich klares, positioniertes Wertesystem. Entsprechend ist es auch der Auftrag der politisch Bildenden in der Schule, diese Werte selbst zu leben. Welch politischer Bildner wäre ich, wenn ich mich nicht aktiv zu Gleichheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit bekennen würde? Schließlich ein dritter Grund ist Bildung im schulischen Kontext sinnvollerweise so organisiert, dass Heranwachsende sich orientieren können. Und Orientierung können nur in ihrer ganzen Haltung sichtbare Menschen liefern und keine nicht bekennenden, sich heraushaltenden Subjekte der Belehrung vermeintlich neutralen Wissens. Selbstverständlich kann das alles nur gelten, wenn grundlegende pädagogische Prinzipien eingehalten werden. Vertrauen im Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, keine Überzeugungs- oder Missionsversuche, sondern echte, kritische Bildung; verantwortlicher Umgang mit Haltung, Leistung und...

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