7. – 8. Schuljahr

Miriam Schmidt-Wolff

Mission

Weg damit oder jetzt erst recht?

Thematischer Schwerpunkt
Der Missionsbefehl Jesu wurde von Beginn der Kirche als Auftrag verstanden, den Glauben in der Welt zu verbreiten. Spätestens seit Paulus waren Missionare unterwegs, um durch ihr Zeugnis andere für Christus zu gewinnen.
Die Geschichte der Mission ist aus heutiger Perspektive allerdings in weiten Strecken eher unrühmlich. Gewaltanwendung und die Instrumentalisierung des Christentums für machtpolitische Zwecke haben sich mehr in das kollektive Gedächtnis eingebrannt als die ebenfalls vorhandenen positiven Begleiterscheinungen der Mission wie Wissenstransfer, medizinischer Fortschritt oder der Einsatz für unterdrückte Völker. Auch kann man seit der Mitte des 20. Jahrhunderts einen Wandel des Missionsbegriffs beobachten: Mission wird nicht mehr als zielgerichtete Aktion der (westlichen) Kirchen in Übersee verstanden, sondern als Gottes Heilswirken in der Welt, das sich auf die Rettung der Menschen und Belange der Welt bezieht.
Daher hat sich in Bezug auf die klassische Mission in Afrika , Indien und Südamerika das Verständnis von Mission gewandelt. So redet die ehemalige Hermannsburger Mission (heute Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen ELM) nicht mehr von Mission und Missionaren (auch wenn der Begriff Mission im Titel noch auftaucht), sondern von interkultureller Qualifikation, von Partnerschaft und Ökumene.
Ein modernes Missionskonzept wie Fresh X geht davon aus, dass Gott überall am Werk ist, auch dort, wo Menschen keinen Bezug zu Kirche haben. Dorthin begeben sich Menschen (nicht mehr Missionare genannt), um zu bleiben, nicht um in die Kirche hinein zu missionieren.
In der pluralen Gesellschaft, als ein immer mehr säkularisiertes Land, ist Deutschland mittlerweile selbst Objekt vielfältiger Remissionierungsbewegungen, teils auch fundamentalistischer Kirchen aus anderen Ländern. Alle alten und neuen Konzepte von Mission sind daher inner- und außerkirchlich nicht unumstritten. Die Absage an die Judenmission ist ein Synodenbeschluss der EKD. Ausgehend davon, hat sich bei vielen Pastorinnen, Pastoren und Religionslehrkräften eine eher distanzierte bis ablehnende Haltung zur Mission insgesamt etabliert. Dem gegenüber stehen Gemeinden, die bis heute Missionsfeste feiern und die Verbindung zu „ihren Gemeinden in Afrika etc. aufrecht halten. Wo es solche Gemeinden im Umfeld der Schule gibt, bieten sich entsprechende Vertiefungen an.
Lernsituation
Sprechen über den (eigenen) Glauben findet laut der empirica-Jugendstudie von 2018 sogar unter religiösen Jugendlichen nur selten statt. Insgesamt hat sich im Verständnis der Gesellschaft Religion in die Sphäre des Privaten verlagert. In vornehmlicher Toleranz darf zwar „jeder glauben, was er will, aber er soll andere damit in Ruhe lassen.
Im Religionsunterricht verbietet sich Mission von selbst. Viele Lehrkräfte haben ein zumindest ambivalentes Verhältnis zur Mission. Gerade die anderen monotheistischen Religionen werden im Unterricht als zu respektierende Geschwisterreligionen dargestellt. Schülerinnen und Schüler sind es also gewöhnt, andere Religionen/Weltanschauungen als absolut gleichwertig gelten zu lassen. Anderen seine religiösen Überzeugungen allzu eifrig darzulegen, kann schnell als Überwältigungsstrategie interpretiert und als Zeichen von Überheblichkeit gedeutet werden und gilt als unzeitgemäß.
Die Lernenden kennen in der Regel die negativen Begleiterscheinungen der Mission aus dem Geschichtsunterricht. Aus den Fehlern der Vergangenheit ziehen sie eher den Schluss, dass man heute nicht mehr missionieren sollte, weil dies als intolerant anderen Kulturen und Völkern gegenüber angesehen wird. Missionar ist daher auch kein Berufsbild, das Jugendliche zeitgemäß oder attraktiv finden. Auch ist es eher ungewöhnlich, dass selbst gläubige Jugendlich so für ihren Glauben „brennen, dass sie ihn unbedingt gegen alle Widerstände anderen vermitteln wollen....

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