5. – 6. Schuljahr

Harmjan Dam

„Kein Problem mehr!?

Christenverfolgung heute und damals

Thematischer Schwerpunkt
In Deutschland ist es heute möglich, offen und frei zu sagen, dass man Christin oder Christ ist. In anderen Zeiten und in anderen Ländern kann es unerwünscht oder sogar gefährlich sein. Christen werden verfolgt oder sogar getötet. John L. Allen (The Global War on Christians, New York 2013, Gütersloh 2014, S. 1) spricht von etwa 100 Millionen verfolgter Christen und 70000 Getöteten jährlich. Diese Bedrohung und die Gewalt können vom Staat ausgehen, aber genauso von bestimmten Bevölkerungsgruppen.
Die im Grundgesetz garantierte positive und negative Religionsfreiheit ist ein sehr hohes Gut, das momentan zwar in Deutschland nicht bedroht ist, aber dessen Verteidigung auch zum Bildungsauftrag der Schule gehört. Dieser Wert kann in einer 5. oder 6. Klasse am einfachsten thematisiert werden, wenn dargelegt wird, wo und wann es diese Freiheit nicht gab, und was das dort und damals für die Christinnen und Christen bedeutet oder bedeutet hat.
Lernsituation
Für Kinder in der 5. und 6. Klasse, die in einer christlichen Familie groß geworden sind und im Kindergarten und Grundschule mit Religion vertraut gemacht wurden, sind Christsein und Religionsfreiheit eher selbstverständlich. Sie können ihre Überzeugung frei zeigen und machen dies auch vielfach. Allerdings fängt in diesem Alter die Ablösung von der tradierten Religion an und es wird allmählich „uncool, sich als Christ zu zeigen. Gerade dann ist es wichtig, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass die religiöse Überzeugung keine private und heimliche Angelegenheit ist, sondern dass weder jemand zu einer Religion gezwungen, noch jemand an der Ausübung seiner Religion gehindert werden darf. Egal, wie man persönlich zu Glaube und Religion steht, die Religionsfreiheit und der Respekt vor einer religiösen Überzeugung können eingefordert werden. Gerade den Hinweis auf das Grundrecht, dass man seine religiöse Überzeugung zeigen darf, könnte Schülerinnen und Schüler ermutigen, im Religionsunterricht bzw. in der Schule die eigene Position nicht zu verstecken.
Lernimpuls
In diesem Unterrichtsentwurf wird bei einer aktuellen Situation angesetzt dem Attentat auf drei christliche Kirchen in Sri Lanka zu Ostern 2019 und von dort aus werden Linien zur Vergangenheit gezogen. Die Christenverfolgungen und das Martyrium sind ein schwieriges und für manche grausames Thema, das in einer 5. Klasse behutsam angegangen werden muss. Auch müssen martialische, missionarische oder antiislamische Töne vermieden werden. Darum wird hier der Wert der Religionsfreiheit betont, die bei Verfolgungen um der religiösen Überzeugung willen verloren gegangen ist.
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt
Der Anschlag in Colombo Ostern 2019
Am Ostersonntag 2019 gab es in Sri Lankas Hauptstadt Colombo Attentate auf vier Hotels und drei katholische Kirchen. Die Kirchen waren an Ostern voll besetzt und es wurden über 320 Christinnen und Christen ermordet und 500 weitere verletzt. Die Täter gehörten einer kleinen Gruppe nationaler Islamisten an, die die politische und religiöse Situation auf der Insel destabilisieren wollten.
Sowohl die Christen (7,4%) als auch die Muslime (9,7%) bilden eine Minderheit auf der vor allem buddhistisch geprägten Insel (70%). Ein paar Wochen vor dem Anschlag in Colombo, am 15. März 2019, wurden in Christchurch in Neuseeland bei einem Anschlag auf zwei Moscheen 51 Muslime, hauptsächlich aus Pakistan, getötet. Der Anschlag in Halle auf eine jüdische Synagoge, bei der am 10. Oktober 2019 zwei Menschen getötet wurden, wurde vermutlich von den beiden Anschlägen inspiriert. Ein Anschlag auf ein Gotteshaus ist perfide.
In einem fingierten Brief von einem Kind aus Sri Lanka (M1 ) bekommen die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck von dem, was das bedeutet. Durch die Formulierung eines Antwortbriefes wird genaues Lesen und Sicheindenken in die Situation von „Maria...

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