7. – 8. Schuljahr

Florian Dinger

Ansprechen. Erklären. Begeistern?

Schülerinnen und Schüler zum Gottesdienst einladen

Thematischer Schwerpunkt
In einer Zeit, in der jugendliche Religiosität immer seltener in kirchlich verfassten Praxisformen Gestalt gewinnt, während gleichzeitig religiöse Sozialisationseffekte stark rückläufig sind1, stellt sich mehr denn je die Frage, ob der evangelische Gottesdienst auf Schülerinnen und Schüler überhaupt (noch) einladend wirkt . Ernüchternde Antworten sind zu erwarten. Gleichwohl deutet einiges darauf hin, dass unter Jugendlichen die Sehnsucht nach religiöser Selbstverortung und Artikulation eher zu- als abnimmt. Auch schätzt weiterhin rund die Hälfte aller Jugendlichen Religion „durchaus als relevant für die eigene Lebensführung und -deutung2 ein. Eine religionsdidaktisch herausfordernde Tendenz tritt deutlich ans Licht: Kirchliche Angebote scheinen immer seltener zu den religiösen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu passen und werden womöglich auch deshalb als wenig einladend wahrgenommen. Defizite in Bezug auf dieses Passungsverhältnis stellen in der vorgelegten Unterrichtsreihe den Anlass dar, um über den Modus der Einladung von Menschen zum evangelischen Gottesdienst sowie über den „Einladungscharakter seiner liturgischen Vollzüge nachzudenken. Der Doppeljahrgang 7/8 eignet sich hierzu in besonderem Maße, da in dieser Altersstufe einige der Lernenden zusätzlich zum Religionsunterricht auch am Konfirmandenunterricht teilnehmen. Auf die entsprechenden Erfahrungen wird in den einzelnen Lernarrangements wiederholt Bezug genommen.
Den Kern der Unterrichtssequenz bildet ein exemplarischer Bezug auf die in England sehr erfolgreiche Idee des Back to Church Sunday (BTC): „Es begann 2003 als Experiment einer Gemeinde in Manchester. Der Pastor schlug vor, dass jedes Gemeindeglied jemanden zum Gottesdienst einlädt [...]. Es gab spürbare Begeisterung unter den Gemeindegliedern und die Gottesdienst-Teilnahme stieg an dem Tag beachtlich. [...] Inzwischen findet dies in jeder Diözese in England statt sowie in z.Zt. 12 Ländern.3 Auch in Deutschland wurde die Idee in jüngerer Vergangenheit aufgegriffen. In Zusammenarbeit mit dem EKD-Zentrum für Mission in der Region (ZMiR) wurden Pilotprojekte in ausgewählten Gemeinden initiiert, um zu erproben, „ob sich auch hier Menschen in Gottesdienste einladen lassen, die von sich aus nicht auf diesen Gedanken kämen.4
Lernimpuls
Von dieser Leitfrage her lassen sich aus Sicht von Schülerinnen und Schülern des Doppeljahrgangs 7/8 mehrere Folgefragen von hoher religionspädagogischer Relevanz ableiten:
  • Wie würde ich selbst gerne zu einem Gottesdienst eingeladen werden?
  • Würde ich Mitschülerinnen und Mitschüler zu einem Gottesdienst einladen?
  • Warum bzw. warum nicht? Und wenn ja, wie würde ich selber einladen?
  • Unter welchen Voraussetzungen würde ich umgekehrt einer Einladung zum Gottesdienst folgen?
  • Wirken die klassischen Formen des evangelischen Gottesdienstes auf mich einladend?
  • Was brauchen Gäste, um Gottesdienste als anregend zu empfinden?
Der BTC eignet sich besonders deshalb als Lernimpuls, weil die unterrichtliche Auseinandersetzung mit dem Wunsch nach einer Einladung zum Gottesdienst einerseits die obigen Fragen zwingend hervorruft, und andererseits für Schülerinnen und Schüler im Gespräch darüber eine Möglichkeit entsteht, eigene Formen des „Outings als einladende Christen zu erproben.
Wenngleich der staatliche Religionsunterricht keine missionarischen Ziele verfolgen kann und soll, verweist die Idee des BTC doch auf eines seiner zentralen Anliegen: Auch dem Religionsunterricht ist daran gelegen, das evangelische Christentum als offene und einladende Ausprägung christlicher Religion darzustellen, an deren Gottesdiensten man auch als Gast und aus z.B. konfessionsloser, kirchenferner oder anders religiöser Distanz teilnehmen darf. Zudem zielt diese Unterrichtseinheit, religionsdidaktisch gesprochen, nicht auf das...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen